Mutagenität und Genotoxizität | OECD 490

Mutagenität und Genotoxizität | OECD 490

OECD 490 | In-vitro-Genmutationstest an Säugetierzellen

Der In-vitro-Genmutationstest an Säugetierzellen unter Verwendung des Thymidinkinase-Gens (OECD 490) ist ein international anerkannter In-vitro-Mutagenitätstest, der im Rahmen der Genotoxizitätsprüfung und genetischen Toxikologie eingesetzt wird.

Der Test ist allgemein als Mouse Lymphoma Assay (MLA) bekannt und dient zur Bewertung des mutagenen Potenzials von Chemikalien, Arzneimitteln, Bioziden und anderen Prüfsubstanzen. Er wird weltweit von den Zulassungsbehörden anerkannt und ist Bestandteil der Genotoxizitäts-Prüfstrategien gemäß den Anforderungen von OECD, REACH, ICH und EFSA.

Warum einen Mouse Lymphoma Assay nach OECD 490 durchführen?

Im Gegensatz zu einigen anderen Genmutationstests an Säugetierzellen ermöglicht der Mouse Lymphoma Assay den Nachweis sowohl von:

    Genmutationen am Thymidinkinase-(TK)-Locus

    größeren genetischen Veränderungen, einschließlich chromosomaler Ereignisse und Deletionen im Bereich des TK-Gens

Dank dieses breiten Spektrums stellt die OECD Guideline 490 einen wichtigen Bestandteil regulatorischer Genotoxizitätsprüfungen dar.

Prinzip des In-vitro-Mouse-Lymphoma-Assays

Kultivierte Säugetierzellen werden mit der Prüfsubstanz sowohl mit als auch ohne metabolische Aktivierung (S9-Mix) exponiert. Nach der Behandlung und einer geeigneten Expressionsphase werden die Zellen auf Mutationen am Thymidinkinase-Locus untersucht.

Studienumfang gemäß OECD TG 490

Die Voruntersuchungen umfassen:

    Bestimmung der Löslichkeit

    Bewertung der akuten Zytotoxizität

    Festlegung geeigneter Dosierungen

Der erste Versuch wird im Mikrotiterplatten-Verfahren durchgeführt:

    mit metabolischer Aktivierung (S9)

    ohne metabolische Aktivierung

Abhängig von den Ergebnissen des ersten Versuchs kann ein zusätzlicher Versuch erforderlich sein. Dieser kann Folgendes umfassen:

    eine verlängerte Behandlungsdauer ohne metabolische Aktivierung und/oder

    angepasste Bedingungen der metabolischen Aktivierung, beispielsweise eine erhöhte S9-Konzentration

Bei Bedarf können außerdem analytische Verifizierungen sowie Formulierungsanalysen in das Studiendesign integriert werden.

Testsystem

L5178Y TK+/− Clone 3.7.2C (Maus-Lymphomzellen)

Endpunkte und Bewertung

Der primäre Endpunkt ist die Mutantenfrequenz (MF) am Thymidinkinase-Locus.

Eine Prüfsubstanz wird als positiv bewertet, wenn sie im Vergleich zur gleichzeitigen Vehikelkontrolle eine biologisch relevante und statistisch signifikante Erhöhung der Mutantenfrequenz verursacht.

Zusätzlich wird die Verteilung kleiner und großer Kolonien ausgewertet. Diese liefert Hinweise auf die Art der zugrunde liegenden genetischen Schädigung: Kleine Kolonien stehen häufig mit größeren genetischen Veränderungen in Zusammenhang, während große Kolonien typischerweise auf lokal begrenzte Genmutationen zurückzuführen sind.

OECD 490 für Nanomaterialien

Nanomaterialien stellen besondere Anforderungen an die In-vitro-Genotoxizitätsprüfung und erfordern häufig zusätzliche Charakterisierungen sowie angepasste Studiendesigns. Wichtige Aspekte sind:

    Nachweis der zellulären Aufnahme der Nanopartikel

    Sicherstellung einer Exposition der Zellen

Der Nachweis der Partikelaufnahme erfolgt in vielen Fällen mittels Transmissionselektronenmikroskopie (TEM). Für eine zuverlässige Exposition ist zudem eine stabile Dispersion des Nanomaterials von entscheidender Bedeutung.

Unsere Experten verfügen über langjährige Erfahrung in der Prüfung von Nanomaterialien und unterstützen Sie bei der Entwicklung geeigneter Prüfstrategien gemäß den aktuellen regulatorischen Anforderungen.

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